Kuhmilch ja, aber bitte nicht zu viel! Warum wenig oft schon genug ist

Darf meinKind schon Kuhmilch bekommen? Diese Frage beschäftigt viele Eltern, sobald sie ihrem Kleinen Beikost geben. Die Antwort lautet: ja und nein. Ja heißt: Sie können Babys Getreide-Milch-Brei unbesorgt mit Vollmilch anrühren. „Alternativ können Eltern den Brei auch mit industriell hergestellter Säuglingsmilch zubereiten“, erklärt Dr. Ute Alexy, Ernährungswissenschaftlerin vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund. Der Milchbrei sollte bei gesunden wie allergiegefährdeten Kindern im Alter von fünf bis sieben Monaten eingeführt werden, so die Expertin. Und zwar einen Monat nach dem Kartoffel-Gemüse-Fleisch-Brei.
 
Nein heißt: Im ersten Lebensjahr sollen die Kleinen keine Kuhmilch zusätzlich bekommen, etwa aus dem Fläschchen. „Sonst ist die Gefahr zu groß, dass sie über den Tag gesehen zu viel Kuhmilch erhalten“, sagt die Fachfrau. Denn schon in den Milchbrei kommen etwa 200 Milliliter. Das reicht. Mehr kann die Nieren der Kleinen belasten. Alexy: „Es gibt zudem Hinweise darauf, dass zu viel Milcheiweiß späteres Übergewicht fördert.“
 
Um den ersten Geburtstag herum sollten Kinder dann morgens und abends ein halbes Glas Milch zum Essen trinken. Dazu noch einmal eine Scheibe Schnittkäse aufs Brot – schon ist der Tagesbedarf von 300 Gramm (oder Milliliter) an Milch- und Milchprodukten gedeckt. Zwei- bis Dreijährige brauchen etwa zehn Prozent mehr, also 330 Gramm. Vier- bis Sechsjährigen genügen 350 Gramm.
 
Ein 18-Jähriger verträgt dann schon 500 Gramm pro Tag. Bei Kleinkindern sollten Sie zurückhaltend sein, wenn es um Milchprodukte wie Joghurt und Quark geht. Eine Mini-Portion pro Tag reicht. Dabei gilt: Joghurt ist leichter verdaulich, Quark enthält dagegen im Verhältnis sehr viel Eiweiß. Vorsicht bei speziellen Kindermilchprodukten! Sie enthalten oft unnötig Fett, Zucker, Aroma-, Farb- und Zusatzstoffe.

Die Devise
lautet also: Milch in Maßen. Dann profitiert Ihr Kleines am meisten von ihr. Nicht umsonst gilt die weiße Flüssigkeit als eines der wichtigsten Nahrungsmittel für Kinder. Darin steckt vor allem jede Menge Kalzium, das die Knochen und die Zähne stärkt. Ihr Eiweiß sorgt dafür, dass Ihr Kind gut wachsen kann. Kuhmilch ist zudem reich an Vitaminen, Jod und Folsäure. „Deshalb ist es gar nicht so einfach, auf sie zu verzichten“, sagt Claudia Thienel, Ernährungswissenschaftlerin aus Bonn. Keine andere Milch reicht vom Nährstoffgehalt an Kuhmilch heran. „Am interessantesten ist noch Sojamilch“, so Thienel. „Doch sie enthält hormonartige Stoffe. Daher sollte die alleinige Gabe von Sojamilch nur in Absprache mit dem Kinderarzt erfolgen.“

Vollmilch oder teilentrahmte Milch? Ganz klar: Ab dem zweiten Lebensjahr reicht die fettarme Variante (1,5 oder 1,8 Prozent), es sei denn, Ihr Kind bringt zu wenig Gewicht auf die Waage. „Dafür können Sie lieber bei den gesünderen pflanzlichen Fetten wie Rapsöl oder Olivenöl etwas grosszügiger sein“, erklärt Claudia Thienel. Für welche Variante Sie sich auch entscheiden: Weil Milch auch Kalorien liefert, ist sie kein guter Durstlöscher. Sie zählt vielmehr wie eine eigene kleine Mahlzeit.

Ob Sie nun H-Milch oder Frischmilch verwenden, können Sie nach Geschmack entscheiden. Beide Produkte unterscheiden sich kaum in ihrem Nährstoffgehalt. Magermilch enthält dagegen zu wenig fettlösliche Vitamine und eignet sich nicht für Kinder.

Und die Rohmilch frisch vom Bauernhof? So verlockend sie sein mag, Kinder unter sechs Jahren sollten sie auf keinen Fall trinken! Sie wird nicht ausreichend erhitzt. Dadurch besteht eine gewisse Gefahr, dass die Milch EHEC- Erreger enthält. Diese Bakterien können schwere Magen-Darm-Erkrankungen auslösen. Schon wenige Keime genügen vermutlich, um Säuglinge und kleine Kinder zu infizieren. „Das Risiko ist zwar sehr gering, aber wenn es passiert, verläuft die Krankheit äußerst dramatisch“, warnt Ernährungsexpertin Alexy. Die Erreger können beispielsweise die Nieren und Blutgefäße schädigen und zu Nervenstörungen führen.

In der Regel trinken Kinder sehr gerne Milch. Was aber tun, wenn das Kleine sie partout ablehnt? Dann helfen manchmal ein paar einfache Tricks. Claudia Thienel: „Oft genügt es schon, wenn man die Milch zum Shake aufpeppt oder als Pudding, Grießbrei oder Milchreis anbietet. Ebenso macht ein Teelöffel Kakao die Milch gleich interessanter für Kinder.“ Auch mit Kartoffelbrei und Pfannkuchen kann man kleinen Milch-Verweigerern noch eine Extra-Portion unterjubeln.
 
Babys erste Nahrung:

  • Pre-Nahrung kommt der Muttermilch am nächsten. Die Anfangsmilch enthält als einziges Kohlehydrat Milchzucker.
  • 1er-Nahrung beinhaltet zusätzlich das Kohlehydrat Stärke und ist sämiger.
  • Folgemilch 2 beziehungsweise 3 sollte nur als Ergänzung zur Beikost gegeben werden. Ein Umstieg muss aber nicht sein. Folgemilchen liefern mehr Eiweiß und Kohlehydrate.
  • HA-Nahrung ist speziell für allergiegefährdete Babys. Nach Rücksprache mit dem Arzt.

Professor Renate Bergmann von der Charité Berlin ist Mitglied der Nationalen Stillkommission

Dr. Ute Alexy ist als Ernährungswissenschaftlerin beim Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund tätig

Claudia Thienel arbeitet als Ernährungsberaterin in Bonn

Bildnachweis: Banana Stock/RYF