
Auffällige Veränderungen an der Brust ängstigen Frauen. Meist stellen sie sich als gutartig heraus
Sanft gleiten die Fingerspitzen über die Brüste. Beim Duschen und anschließenden Eincremen nehmen viele Frauen ihren Körper achtsam wahr. Ertasten sie dann eine kleine Unebenheit oder Verhärtung, geraten sie in Panik. Und fragen sich sofort: Ist das Brustkrebs? In neun von zehn Fällen sind diese Veränderungen gutartig, beruhigen Experten.
Frauen kennen ihren Körper und seine hormonellen Schwankungen meist gut: Kurz vor der Periode reagiert die Brust oft empfindlicher auf Berührungen, und sie fühlt sich meist fester an. Das Drüsengewebe und die Milchgänge können Flüssigkeit einlagern. Das ist völlig normal. Besteht jedoch ein größeres Ungleichgewicht zwischen Östrogen und Gestagen, den weiblichen Sexualhormonen, können sich vor der Regel starke Spannungsgefühle und Schmerzen in der Brust entwickeln, die erst mit der Blutung wieder vergehen. Ärzte bezeichnen das häufig als Mastodynie, bei größeren Veränderungen mit Verdichtung des Brustgewebes auch als Mastopathie.
Zystenflüssigkeit wird abgezogen
Hält der Schmerz aber nach der Periode weiter an oder ertastet die Frau eine Delle oder einen kleinen Knubbel in der Brust, sollte sie die Symptome sofort von ihrem Gynäkologen abklären lassen. In den meisten Fällen stellt er eine Zyste oder ein Fibroadenom fest.
Von einer Zyste sprechen Ärzte, wenn sich der Knoten beim Ultraschall als ein mit Flüssigkeit gefülltes Bläschen entpuppt. Dichtes Brustgewebe untersuchen die Mediziner auch mit einer Elastografie. Dieses spezielle Ultraschallverfahren unterscheidet Gewebestrukturen genauer und erleichtert Ärzten die Abklärung. Macht eine Zyste Beschwerden, zieht der Arzt den Inhalt des prall gefüllten Bläschens mit einer Hohlnadel heraus. Damit ist das Problem meistens schon gelöst.
Bildet sich eine Zyste nach den Wechseljahren, wird die entnommene Flüssigkeit immer überprüft. Denn innerhalb dieser Bläschen verstecken sich manchmal bösartige Gewebestrukturen.
Auch bei einem Fibroadenom geht der Arzt von einem hormonellen Einfluss aus. Überall dort, wo es im Körper Fettgewebe gibt, können sich diese glatten, runden Knoten aus verhärtetem Drüsen- und Bindegewebe entwickeln: am Bauch, am Oberschenkel, am Arm und eben auch in der Brust. Die kleinen und leicht verschiebbaren Knubbel verursachen normalerweise keine Schmerzen, manchmal ein leichtes Ziehen.
Überwachen oder entfernen
Sitzt ein Fibroadenom jedoch direkt an einer Stelle, wo der BH-Bügel aufliegt, tut das weh. Und am äußersten Drüsenrand mitten im Dekolleté stört es vielleicht optisch. Auch das Fibroadenom diagnostiziert der Mediziner durch Ultraschall. Um sicherzugehen, dass es gutartig ist, entnimmt er mittels einer Biopsie unter örtlicher Betäubung winzige Proben des Gewebes. Stellen diese sich bei der weiteren Überprüfung im Labor als unauffällig heraus, genügt es, das Fibroadenom zweimal im Jahr per Ultraschall untersuchen zu lassen.
Manche Frau beunruhigt der Knoten jedoch. Dann lässt sie ihn besser entfernen. Das gelingt minimal-invasiv, etwa durch eine Vakuumbiopsie. In Tübingen beispielsweise behandeln Ärzte Fibroadenome auch mit Kälte (Kryotherapie). Dabei vereisen sie den Knoten fast schmerzfrei. Mit Hitze, dem hochfokussierten Ultraschall (HIFU), gelingt das ebenso. Dabei schmelzen energiereiche, gebündelte Ultraschallwellen das Fibroadenom unter der Haut weg.
Rätselhafte Tropfen
Frauen erschrecken, wenn aus ihren Brustwarzen auf einer oder beiden Seiten eine klare oder milchige, selten auch blutige Flüssigkeit tropft, ohne dass sie schwanger sind oder stillen. Dann haben sich in einem Milchgang kleine Aussackungen gebildet, in denen Wasser steht und sich bei leichtem Druck auf die Brust entleert.
Manchmal bildet sich dort auch eine kleine, gutartige Wucherung, ein sogenanntes Milchgangspapillom. Eine Galaktografie, eine spezielle Form der Mammografie mit Kontrastmittel, macht die Gänge sichtbar. Der Arzt kann sie dann gut beurteilen. Da Papillome hin und wieder entarten, entfernt der Gynäkologe immer den gesamten Milchgang samt Gewebe und lässt es untersuchen.
Je besser eine Frau ihre Brust kennt, desto eher erkennt sie solche Veränderungen. Weil Wassereinlagerungen erst nach der Periode zurückgehen, gilt das als der beste Zeitpunkt, die Brust einmal genauer in den Blick zu nehmen und bei Auffälligkeiten gleich einen Gynäkologen aufzusuchen.
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