
Die Parasiten können schwere Erkrankungen hervorrufen, aber auch Patienten heilen
Niemand denkt gern daran, dass sich Würmer auch im menschlichen Darm tummeln können. Weltweit kommen Infektionen mit Band-, Maden- oder Spulwürmern sehr häufig vor, in den Industrienationen allerdings selten.
Die Zahl der Fuchsbandwurm-Infektionen in Deutschland hat sich in den vergangenen zehn Jahren zwar fast verdoppelt. Doch mit 50 bis 60 Neuerkrankungen pro Jahr, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) angibt, ist sie überschaubar geblieben.
Mensch als Zwischenwirt
Es gibt neben dem Fuchsbandwurm nur zwei weitere Arten, die dem Menschen Schaden zufügen können, weil sie ihn als Zwischenwirt nutzen und ihre Larven sich in den inneren Organen vermehren. Das sind Hunde- und Schweinebandwurm.
Während die Diagnose früher meist erst gestellt wurde, wenn die Patienten an akuten Oberbauchbeschwerden oder Gelbsucht litten, ist die Infektion mit dem Fuchs- oder Hundebandwurm heutzutage häufig ein Zufallsbefund bei einer Ultraschalluntersuchung. Je eher sie festgestellt wird, umso besser, denn in einem frühen Stadium kann die Erkrankung durch einen chirurgischen Eingriff geheilt werden.
Dabei wird das in der Leber herangewachsene Parasitengewebe herausgeschnitten. In späten Stadien ist oft nur eine Chemotherapie möglich, die das Wachstum des Bandwurms stoppt. Sie muss dann aber lebenslang durchgeführt werden. Eine Infektion mit dem Schweinebandwurm kann ebenfalls mit Medikamenten behandelt werden.
Wie sich Menschen mit dem Bandwurm infizieren, ist nicht geklärt. Bis Symptome auftreten, kann es bis zu 15 Jahre dauern. Denkbar sind in seltenen Fällen auch Infektionen über Haustiere, wenn der Hund zum Beispiel Mäuse frisst oder Tiere aus Südeuropa importiert werden. Dann ist es wichtig, das Tier regelmäßig zu entwurmen.
Viele Würmer sind harmlos
Andere Bandwürmer wie der Fischbandwurm sind hierzulande nicht nur selten, sie gelten auch als eher harmlos, da der Mensch ihnen nur als Endwirt dient. Der Wurm reift im Darm heran, und seine Eier werden mit dem Stuhl ausgeschieden.
Vor allem Kinder infizieren sich sehr häufig mit Madenwürmern. Gefährlich sind auch diese winzigen Parasiten nicht, sie können für den Betroffenen aber mitunter unangenehm sein – sowohl von den Symptomen als auch vom bloßen Anblick her.
Die Würmer kriechen unbemerkt aus dem Darm und legen ihre Eier in den Falten des Analbereichs ab. Als Folge stellt sich ein Juckreiz ein, mitunter treten auch starke Bauchschmerzen auf. Ein Arzt kann ein gut verträgliches, schnell wirkendes Medikament gegen die Würmer verschreiben.
Auch Infektionen mit Spulwürmern sind eher harmlos und durch Medikamente sehr gut behandelbar. Weltweit sind rund 1,5 bis 2 Milliarden Menschen infiziert, in Deutschland ist der Wurm dagegen kaum noch verbreitet.
Heilsame Peitschenwürmer
Würmer machen aber nicht nur krank. Es gibt Hinweise, dass manche Arten heilen können. So laufen derzeit an vielen deutschen Zentren Studien, bei denen lebende Würmer gezielt Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa verabreicht werden. Die eingesetzten Peitschenwürmer sind unschädlich und vermehren sich nicht. In anderen Ländern laufen Studien mit Hakenwürmern gegen Asthma, Allergien oder multiple Sklerose.
Eine Theorie, warum ausgerechnet Würmer als Schutz vor Autoimmunerkrankungen dienen können: Im Lauf der Evolution hatte der Mensch immer wieder Würmer als ständige Begleiter im Darm. Das Immunsystem hatte stets genug Arbeit mit ihnen. In den vergangenen 30 bis 40 Jahren sind die Würmer jedoch vertrieben worden. Nun weiß das Immunsystem nicht mehr, was es machen soll, und beginnt sich gegen körpereigene Strukturen zu richten.
Würmer in Kürze:
Bandwürmer fallen durch ihre unzähligen Glieder auf. Sie werden je nach Art wenige Millimeter bis zehn Meter lang. Im Gegensatz zu anderen Wurmarten nutzen Schweine-, Hunde- und Fuchsbandwurm den Menschen als Zwischenwirt. Sie besiedeln nicht nur den Darm, sondern auch innere Organe. Das macht eine Infektion so gefährlich.
Madenwürmer werden bis zu 13 Millimeter lang (Weibchen) und einen halben Millimeter dick. Ihre Eier gelangen über verunreinigte Nahrung oder Wäsche in den Wirtsorganismus. Typisch ist der Juckreiz im Analbereich, aber nicht immer wird eine Infektion bemerkt.
Spulwürmer sind meist etwa 10 bis 20 Zentimeter lang. Wie bei den Madenwürmern stellen verunreinigte Nahrungsmittel den häufigsten Übertragungsweg dar. Die Eier können aber auch mit aufgewirbeltem Staub und Tierkot eingeatmet werden.
Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/Comstock